Zuletzt aktualisiert: 2. Juli 2021

Trotz Corona dürfen wir nicht unsere Natur und deren Lebewesen vergessen. Seit letztem Jahr sterben Blaumeisen in Deutschland auf mysteriöse Art und Weise und der schöne frühlingshafte Gesang der Vögel wird weniger.

Immer wieder finden Menschen kranke oder sogar tote Blaumeisen in ihrem Garten. Doch woran liegt das? Wieso sieht man immer weniger Singvögel? Woran sterben sie? Was Du jetzt tun kannst, um sie zu schützen und woher diese Problematik stammt, verraten wir Dir alles in diesem Artikel. Hier erfährst Du alles, was man wissen sollte, um diese Fragen zu beantworten.




Das Wichtigste in Kürze

  • Blaumeisen sterben in Massen an dem Bakterium Suttonella ornithocola, welche eine Lungenentzündung bei den Vögeln hervorruft.
  • Symptome, die zeigen, dass eine Blaumeise an dieser Infektion erkrankt ist, sind unter anderem Atemnot, apathisches Verhalten, aufgeplustertes Gefieder und verklebte Augen.
  • Lösungen hierfür sind zum Beispiel die Entfernung von Futterstellen, Social Distancing sowie das Melden und Versenden von toten Tieren zur Analyse und Erkenntnisgewinnung.

Definition: Was ist eine Blaumeise?

Eine Blaumeise ist ein kleiner Vogel, der Dir bestimmt schon mal in Deinem eigenen Garten begegnet ist. Er ist einer der häufigsten Gartenvögel und versammelt sich oft bei Futterplätzen. Mit seiner blauen Farbe an Scheitel, Flügel und Schwanzfeder und der leuchtend gelben Brust ist er unverkennbar.

Sie sind ganz kleine, kompakte Meisen, die flink und kopfüber an Bäumen nach Insekten suchen. Du kannst sie das ganze Jahr beobachten, da sie auch im Winter hier verweilen. Ihre Eier legen sie ab Mitte April. (1)

Hintergründe: Was Du über die Bedrohungen von Blaumeisen wissen musst

Bevor wir Dir die bestmöglichen Lösungen näher bringen, die Blaumeisen zu schützen, ist es sinnvoll, sich erst einmal ein Bild darüber zu machen, welche Hintergrundinformationen man über die Problematik des aktuellen Sterbens der Meisen braucht.

Hierfür haben wir Dir die am häufigsten gestellten Fragen in einigen Absätzen einmal beantwortet und Dir die Ursache erläutert.

Woran sterben die Blaumeisen?

Seit Frühling 2020 kommt es zu immer mehr Todesfällen von Blaumeisen, die in den Gärten Tod aufgefunden werden oder sehr krank wirken. Schuld daran ist das Bakterium Suttonella ornithocola, welches bei den kleinen Vögeln eine Lungenentzündung hervorruft.

Die ersten Fälle wurden aus Rheinhessen in Rheinland-Pfalz sowie in nahe liegenden Regionen gemeldet und verbreitete sich weiter in die umliegenden Bundesländer wie zum Beispiel Thüringen. (2) Bis zum 12. Mai 2020 starben 35.000 Vögel in Deutschland, die bekannt sind. Beobachtungen zeigten, dass es Ende April weniger wurde und die Epidemie abflachte. (3)

Auch in diesem Jahr wurden schon 1498 Fälle (Stand: 19.04.2021) berichtet und die Anzahl steigt weiter an. Täglich werden bundesweit ca. 50 Todesfälle notiert. Jedoch betragen diese Zahlen im Vergleich zum Vorjahr weniger als ein Zehntel.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Höhepunkt aufgrund der aktuellen Wetterlage noch nicht erreicht ist und die betroffenen Regionen dieses Mal deutlich weiter nördlich sind. (4)

Was weiß man über die Blaumeisen-Krankheit?

Der Erreger Suttonella ornithocola verursacht bei Vögeln eine Lungenentzündung. Dabei endet diese Infektion besonders bei Meisen tödlich.

Suttonella ornithocola ist der Erreger, der bei Meisen eine Lungenentzündung hervorruft.

Die ersten Beschreibungen dieses Bakteriums traten schon im Jahre 1996 in Großbritannien auf. Zu dieser Zeit kommt es dort zwar flächendeckend und regelmäßig vor, jedoch wie hier in Deutschland, ein wahres Massensterben von Vögeln wurde bislang noch nicht berichtet. In Deutschland trat der Erreger zum ersten Mal 2018 in Nordrhein-Westfalen auf. (3)

Bisherige Erkenntnis über die Infektion sind unter anderem, dass sie in Form von Lungenkrankheiten oder auch in seltenen Fällen als Darmerkrankungen auftritt. Die Hauptzeit ist im Frühling und es scheint hochansteckend für Blaumeisen zu sein.

Wie es sich überträgt, ist nach wie vor unklar. Denkbar ist eine Infektion über Aerosole oder über Kontakt mit bereits infizierten Lebewesen. Dies ist aber noch nicht erwiesen. (5, 6)

Wie zeigt sich die Krankheit bei den Blaumeisen?

Wenn eine Blaumeise krank ist, fällt dies besonders an ihrem Verhalten auf. Sie reagieren überhaupt nicht mehr auf ihre Umwelt, sind apathisch und aufgeplustert auf dem Boden. Häufig in der Nähe einer Futterstelle. Selbst wenn Du Dich ihnen näherst, unternehmen sie keinen Fluchtversuch und bleiben einfach an ihrem Platz.

Infizierte Blaumeisen verhalten sich apathisch und reagieren überhaupt nicht mehr auf ihr Umfeld. Sie sterben an einer Lungenentzündung. (Bildquelle: Kristina Paukshtite / Pexels)

Symptome wie Atemnot, verklebte Augen oder Verlust von Teilen des Kopfgefieders wurden beobachtet. Außerdem nehmen sie keine Nahrung mehr zu sich und machen den Anschein, als können sie nicht mehr schlucken. In einigen Beobachtungen schien es, als hätten sie unstillbaren Durst.

Auch das Aufhalten der Augen fiel ihnen sehr schwer. Solche Symptome zeigen sie erst dann, wenn es ihnen wirklich sehr schlecht geht, da sie sich schützen wollen vor eventuellen Angriffen von Greifvögeln. Ein Schutzmechanismus, um keine leichte Beute zu sein. (2, 3)

Welche Vögel sind noch betroffen?

Neben den bereits genannten Blaumeisen sind auch andere kleine Singvögel betroffen. Jedoch bei Weitem nicht so schlimm wie die blauen Vögel. Kleine Meisenarten wie Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise sind vermutlich auch von dem Erreger infiziert. Seltener dagegen trifft es die größeren Kohlmeisen. Fast ausschließlich sind Meisen das Opfer der Erkrankung. (7, 8)

Können auch andere Tiere davon betroffen sein?

Nach bisherigem Kenntnisstand sind außer Meisen keine anderen Lebewesen wie Menschen oder Haustiere von dem Erreger befallen. Sie sind also außer Gefahr, da er ungefährlich für sie ist und nur Vögel wie Meisen infiziert werden können. (7, 8)

Es scheint sich um einen Erreger zu handeln, der ausschließlich Meisen betrifft. Aus diesem Grund sollten Hunde und Katzenbesitzer darauf achten, diese nicht noch zusätzlich an die Vogelbrutstätten zu lassen oder generell an flügge werdenden Jungvögel, da der Bestand sonst noch weiter unter Druck gerät. (9)

Blaumeisen sterben: Die besten Tipps, wie man ihnen helfen kann

In den nachfolgenden Abschnitten möchten wir Dir ein paar Tipps geben, wie Du den kleinen Singvögeln helfen kannst, um die Epidemie einzudämmen. In der Tabelle findest Du alle relevanten Hilfestellungen einmal zusammengefasst.

Tipps Erläuterung
Social Distancing Entferung von Futterstellen
Tote Meisen melden, kühlen und einsenden Sammeln von Daten zur genauen Analyse
Vogel freundlichen Garten anlegen Überlebenden Blaumeisen natürlichen Lebensraum schaffen, hilft und schützt diese

Wenn Du Dir diese Tipps zu Herzen nimmst und darauf achtest bzw. diese umsetzt, besteht die Möglichkeit, die Blaumeisen auch in den weiteren Jahren wieder fröhlich singen zu hören.

Ohne weitere Informationen über die Infektion können wir den Tieren nicht helfen, also hängt es von uns ab, ob die Blaumeisen weiterhin Opfer des Erregers bleiben oder wir eine Lösung finden, wie wir sie unterstützen können und das Problem beseitigen. Die einzelnen Punkte werden wir Dir jetzt ausführlicher erläutern.

Social Distancing

Aufgrund der Tatsache, dass die meisten kranken oder toten Blaumeisen immer in der Nähe von Futterstellen gefunden wurden, empfiehlt der Naturschutzbund das die Vögel ebenfalls wie wir Menschen aktuell auf “Social Distancing” gehen sollen.

Da die Verbreitung der Krankheit unterbunden werden muss und sich die Meisen vermehrt an diesen Orten aufhalten, müssen sie getrennt werden, um nicht noch mehr Piepmätze zu infizieren.

Futterstellen sind das Zentrum für die Übertragung der Infektion. Deswegen ist die Entfernung im eigenen Garten besonders wichtig. (Bildquelle: Alexas_Fotos / Pixabay)

Gesunde Vögel müssen jetzt geschützt werden und alle Sammelpunkte der Tiere entfernt werden. Dazu gehören in erster Linie Futterstellen und Tränken im Garten, auf der Terrasse oder Balkon. (10)

Die fehlenden Stationen haben auch keinerlei negative Auswirkungen auf die Vögel, da es genügend natürliche Trinkstellen wie Flüsse, Seen, Teiche oder Bäche gibt, an denen sie sich versorgen können. Du musst also keine Angst haben, dass sie verdursten. (9)

Tote Meisen melden, kühlen und einsenden

Um dem Erreger besser zu analysieren und mehr über ihn zu erfahren, solltest Du Deine Beobachtungen von kranken oder toten Blaumeisen ab besten Melden und gegebenenfalls unter Einhaltung verschiedener Vorsichtsmaßnahmen an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg oder an das zuständige Kreisveterinäramt (nach vorheriger Rücksprache) zur Untersuchung senden.

Achte dabei darauf, dass Du den Vogel nicht berührst und diesen kühl und luftdicht verpackst. Jede Probe kann weiterhelfen genauere Antworten zu bekommen und gegen die Epidemie zu handeln. (2, 9) Wenn Du das Meldeformular ausfüllst, sollten folgende Punkte genannt werden:

  • Angaben zum Fundort
  • Funddatum
  • nähere Fundumstände
  • Symptome der Blaumeisen
  • Anzahl der betroffenen Vögel

Zusätzlich solltest Du auch ein Foto von den kranken bzw. toten Tieren machen und dies ebenfalls mit dem Formular verschicken. (10) Der Naturschutzbund sammelt alle Informationen und Daten, die eingehen, wertet sie aus und sendet diese an weitere Wissenschaftler.

Diese Vorgehensweise hilft uns, das Ausbruchgeschehen zu verfolgen, geografisch zuzuordnen und mögliche Ursachen und Auswirkungen zu identifizieren. (2)

Vogelfreundlichen Garten anlegen

Eine weitere Hilfestellung, um Blaumeisen zu schützen und betroffene Vogelbestände eine Möglichkeit zu geben, sich wieder zu erholen, ist den eigenen Garten möglichst Vogel freundlich zu gestalten.

Naturnahe und vogelfreundliche Gärten unterstützen die lebenden Blaumeisen.

Denn es ist wichtig, den überlebenden Blaumeisen die besten Bedingungen für ihre nächste Brutzeit zu bieten. Dies gelingt besonders durch vogelfreundliche und naturnahe Gärten. In der Fortpflanzungszeit können außerdem noch Nistkästen eine Hilfe sein. (2, 10)

Doch wie sieht so ein Garten aus? Eine Variante wäre zum Beispiel verschiedene heimische Sträucher mit Beeren oder Dornen bzw. Stacheln zu pflanzen, da diese den kleinen Vögeln Unterschlupf und eine natürliche Futterquelle bieten.

Auch eine sogenannte “wilde Ecke” kann eine nützliche Quelle für Futter sein, da sich hier viele Raupen und Falter versammeln können. Beispielsweise kannst Du einfach Brennnessel oder Disteln sowie verschiedene andere wilde Gewächse wachsen lassen und schon hast Du einen natürlichen Raum für Blaumeisen geschaffen.

Um noch weitere Nahrung für die Piepmätze in den Garten zu locken, empfiehlt es sich, schöne Blumen wie zum Beispiel Lavendel, Majoran oder Silberblatt zu pflanzen, welche Schmetterlinge anziehen. Durch all diese Veränderungen förderst Du nicht nur Blaumeisen, sondern auch die gesamte Vogelvielfalt. (7, 10, 11)

In der nachfolgenden Tabelle zeigen wir Dir die genannten noch einmal übersichtlich zusammengefasst, sodass Du Deinen Garten anhand dieser Tipps ganz einfach vogelfreundlich gestalten kannst.

Hilfestellung Pflanzen Insekten
Unterschlupf Sträucher aus Dornen und Stacheln
Natürliche Futterquelle Beerensträucher, Lavendel, Majoran, Silberblatt oder wilde Ecken wie Brennnesseln oder Disteln Locken Schmetterlinge, Raupen und Falter an

Fazit

Du hörst sie sicherlich auch jeden Frühling die kleinen Singvögel und freust Dich, das es endlich wieder warm wird. Damit das so bleibt und die Blaumeisen nicht vollständig durch den Erreger Suttonella ornithocola aussterben, müssen wir diese schützen. Die wunderschönen blauen Vögel leiden aufgrund der Infektion an verschiedenen Symptomen wie Atemnot, verklebte Augen oder apathisches Verhalten.

Häufig zu finden sind die kranken Tiere an Futterstellen. Diese gilt es zu minimieren, um so die Kontaktpunkte und Versammlungen von Vogelscharen zu vermeiden. Solltest Du eine kranke oder tote Blaumeise finden, melde und versende diese an die entsprechende Organisation. So werden Daten analysiert und gesammelt und dem Erreger entgegengewirkt.

Für die Überlebenden sind vogelfreundlich gestaltete Gärten eine gute Maßnahme, um sie zu schützen bzw. ihnen darüber hinaus auch zu helfen. Wenn alle mit helfen und Beobachten, kann die Epidemie hoffentlich schnell gestoppt werden und vielleicht können im nächsten Jahr schon wieder mehr Blaumeisen für uns singen.

Bildquelle: Federico Maderno / Pixabay

Einzelnachweise (11)

1. Nabu.de: Blaumeise
Quelle

2. Nabu.de: Blaumeisensterben durch bakterielle Infektion
Quelle

3. Geo.de: Beobachter zählen so wenige Blaumeisen wie noch nie, Matthias Thome
Quelle

4. Nabu.de: Erste Verdachtsfälle gemeldet
Quelle

5. Rnd.de: Ursache für rätselhaftes Blaumeisen-Sterben geklärt, 22.04.2020
Quelle

6. Tierwelt.ch: Blaumeisen in Deutschland sterben an Lungenkrankheit, Meret Signer, 29.04.2020
Quelle

7. Myhomebook.de: Tote Blaumeise im Garten gefunden? Umgehend Vogeltränke entfernen, Christian Glass, 05.06.2020
Quelle

8. Nationalgeographic.de: Mysteriöses Meisensterben: Der Erreger ist identifiziert, Jens Voss, 05.11.2020
Quelle

9. T-online.de: Blaumeisensterben: Gartenbesitzer sollten jetzt handeln, Jennifer Buchholz, 08.05.2020
Quelle

10. Verbraucherschutz.com: Blaumeisensterben: bakterielle Infektion führt zum Tod – so können Sie helfen, 25.04.2020
Quelle

11. Nabu.de: Wie die Vögel in den Garten kommen
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Blaumeise
Nabu.de: Blaumeise
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Blaumeisensterben durch bakterielle Infektion
Nabu.de: Blaumeisensterben durch bakterielle Infektion
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Beobachter zählen so wenige Blaumeisen wie noch nie
Geo.de: Beobachter zählen so wenige Blaumeisen wie noch nie, Matthias Thome
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Erste Verdachtsfälle gemeldet
Nabu.de: Erste Verdachtsfälle gemeldet
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Ursache für rätselhaftes Blaumeisen-Sterben geklärt
Rnd.de: Ursache für rätselhaftes Blaumeisen-Sterben geklärt, 22.04.2020
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Blaumeisen in Deutschland sterben an Lungenkrankheit
Tierwelt.ch: Blaumeisen in Deutschland sterben an Lungenkrankheit, Meret Signer, 29.04.2020
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Tote Blaumeise im Garten gefunden? Umgehend Vogeltränke entfernen
Myhomebook.de: Tote Blaumeise im Garten gefunden? Umgehend Vogeltränke entfernen, Christian Glass, 05.06.2020
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Mysteriöses Meisensterben: Der Erreger ist identifiziert
Nationalgeographic.de: Mysteriöses Meisensterben: Der Erreger ist identifiziert, Jens Voss, 05.11.2020
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Blaumeisensterben: Gartenbesitzer sollten jetzt handeln
T-online.de: Blaumeisensterben: Gartenbesitzer sollten jetzt handeln, Jennifer Buchholz, 08.05.2020
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Blaumeisensterben: bakterielle Infektion führt zum Tod – so können Sie helfen
Verbraucherschutz.com: Blaumeisensterben: bakterielle Infektion führt zum Tod – so können Sie helfen, 25.04.2020
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Wie die Vögel in den Garten kommen
Nabu.de: Wie die Vögel in den Garten kommen
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